Aioros vom Schützen starb, bevor Saint Seiya überhaupt beginnt. Doch es ist schwer, im Werk eine Figur zu finden, deren Abwesenheit schwerer wiegt. Jung getötet — mit gerade einmal vierzehn Jahren — vom Heiligtum, dem er diente, zum Verräter erklärt, ist er das gründende Gespenst der gesamten Serie: Ohne sein Opfer gäbe es keinen Seiya, keine Pegasus-Rüstung, keine Suche. Die Tat eines einzigen Mannes, in der Nacht einer unmöglichen Entscheidung, setzte das Schicksal von Dutzenden Kriegern in Bewegung.
Was Aioros tut, als der usurpierende Großpapst den Tod des Säuglings Athena befiehlt, ist von erschütternder Einfachheit: Er nimmt sie in seine Arme und rennt. Keine heroischen Reden, keine politischen Berechnungen — nur ein junger Mann, der weiß, dass das Richtige richtig ist, und der sich weigert, die Welt anders sein zu lassen. Er zahlt für diese Weigerung mit seinem Leben, von Wunden durchsiebt, allein in der Nacht, verraten von allen, an die er glaubte. Er stirbt als Verräter. Er stirbt unschuldig.
Doch selbst im Tod handelt Aioros weiter. Seine goldenen Pfeile, seine zurückgelassene Rüstung, sein im kostbaren Metall seines Helms und seiner Stiefel fossilisierter Kosmos — all das rettet weiterhin Leben, Jahrzehnt nach Jahrzehnt, als würde sich sein Wille weigern, vom Tod eingedämmt zu werden. Der Schütze zeigt immer nach vorn, zum Licht, selbst wenn der Bogenschütze schon lange gefallen ist.
Fähigkeiten & Techniken
Goldene Pfeile des Schützen
Aioros' kosmische Pfeile tragen die Prägung eines Kosmos außergewöhnlicher Reinheit. Aus goldenem Licht geschmiedet, können sie die stärksten Verteidigungen durchdringen und, was noch wichtiger ist, ihrem Meister weit über seinen Tod hinaus dienen — denn die Pfeile des Schützen reisen dorthin, wohin ihr Bogenschütze sie sendet, selbst aus dem Jenseits.
Posthume Übertragung
Eines der außergewöhnlichsten Merkmale von Aioros ist, dass sein Kosmos seinen Tod überlebt. Die goldene Rüstung des Schützen, in den elysischen Ebenen beim Sterben zurückgelassen, wirkt weiterhin als Träger seines Willens. Die Pfeile, die Seiya und seine Gefährten mehrfach retten, tragen noch immer die Wärme seines lebenden Kosmos.
Hellsicht der Wahrheit
Mit vierzehn Jahren sieht Aioros, was die erwachsenen Goldritter sich weigern zu sehen: dass das Baby Athena die wahre Reinkarnation der Göttin ist und dass ihr Leben nicht geopfert werden darf, um die Ambitionen des Usurpators zu befriedigen. Diese frühe moralische Klarheit wird ihn das Leben kosten — und die Welt retten.
Vermächtnis einer Rüstung
Im Sterben vertraut Aioros die Rüstung des Schützen Mitsumasa Kido an, dem Adoptivvater der Bronzeritter. Diese Geste unendlicher Tragweite entscheidet über das Schicksal der gesamten Serie — ohne diese Rüstung, ohne dieses Opfer, hätte Seiya nie die Mittel gehabt zu kämpfen. Aioros gewinnt so im Tod einen Sieg, den ihm sein Leben nie erlaubt hatte.
Entwicklung
01 —Das Prestige des Besten — Vor der Usurpation war Aioros vielleicht der vielversprechendste Goldritter seiner Generation — der natürliche Kandidat für große Verantwortung. Seine Macht, sein Kosmos und seine moralische Integrität machten ihn zur Hoffnung des Heiligtums. Es ist genau dieses Licht, das ihn in den Augen des Usurpators gefährlich macht.
02 —Die Tat, die Alles Zerbricht — An dem Tag, an dem der usurpierende Großpapst den Tod des Babys Athena befiehlt, tut Aioros, was kein anderer Ritter wagt: Er stellt sich dazwischen, nimmt die Göttin in seine Arme und flieht. Diese Tat absoluten Ungehorsams bringt ihm auf der Stelle den Status des Verräters ein, zum Tode verurteilt, von seinen eigenen Waffenbrüdern verfolgt.
03 —Der Tod des Unschuldigen Verräters — Während seiner Flucht tödlich verwundet, findet Aioros die Kraft, das Baby Athena in Sicherheit zu bringen und seine Rüstung Kido anzuvertrauen, bevor er seinen letzten Atemzug tut. Er stirbt als erklärter Verräter, allein, fern von allem, was er liebte — weil er einfach das Richtige getan hat.
04 —Die Präsenz des Abwesenden — Aioros erscheint nie persönlich in der Haupthandlung — er starb, bevor die Geschichte beginnt. Und doch ist sein Schatten überall: in Aiolias Schuldgefühl, in den goldenen Pfeilen, die Seiya im letzten Moment retten, in der Rüstung, die seinen Schüler mit Licht umhüllt. Er ist vielleicht die abwesendste und doch präsenteste Figur der gesamten Serie.
Techniken
Goldene Pfeile des Schützen
Informationen
Alter
14 (Alter bei seinem Tod 1973)
Training
Griechenland, im Heiligtum
Funktion
Wächter des Schütze-Tempels