Ikarus
HeldGriechische MythologieGriechische Mythologie · Sohn des Daidalos · Der Flug & der Sturz
Daidalos & das Labyrinth von Kreta
Ikarus ist der Sohn von Daidalos, dem größten Ingenieur und Architekten der griechischen Mythologie, und einer Sklavin des kretischen Königs Minos. Daidalos, aus Athen verbannt, nachdem er seinen Schüler Talos aus Neid getötet hatte, trat in den Dienst von Minos in Knossos. Der König hatte ein dringendes Problem: Seine Frau Pasiphaë hatte sich unter einem Fluch des Poseidon mit einem heiligen weißen Stier vereint, und das monströse Ergebnis — der Minotaurus, halb Mensch, halb Stier — musste verborgen werden.
Daidalos baute das Labyrinth von Knossos — ein Irrgarten solcher Komplexität, dass wer hineinging, nicht mehr herausfand. Der Minotaurus wurde darin eingeschlossen. Als Daidalos der Prinzessin Ariadne half, Theseus den Faden zu geben, der ihm den Weg nach draußen zeigen würde, ließ Minos, wütend über den Verrat, Daidalos und seinen Sohn Ikarus im Labyrinth gefangen setzen.
Die Wachsflügel — Flug & Sturz
Weder Minos noch seine Heere konnten das Meer oder den Himmel beherrschen. Daidalos, das Genie ohne gleichen, ersann einen kühnen Plan: Flügel für sich und seinen Sohn zu bauen. Er sammelte Vogelfedern, befestigte sie mit Leinen und Wachs und formte zwei funktionierende Flügelpaare. Vor dem Flug wies er Ikarus sorgfältig an: «Fliege in mittlerer Höhe — nicht zu tief, die Meeresfeuchte beschwert die Federn; nicht zu hoch, die Sonnenwärme schmilzt das Wachs.»
Sie verließen das Labyrinth und waren frei. Doch Ikarus, trunken von der Wonne des Fluges, stieg immer höher, der Sonne immer näher. Das Wachs schmolz. Die Federn lösten sich eine nach der anderen. Ikarus stürzte in das Meer, das seitdem seinen Namen trägt — das Ikarische Meer — und ertrank. Daidalos erreichte allein Sizilien, in Trauer um den Sohn, den er nicht vor seiner eigenen Unbesonnenheit retten konnte.
Das Symbol der Hybris
Der Mythos des Ikarus ist eine der mächtigsten Metaphern der westlichen Kultur. Er verkörpert die Hybris — den maßlosen Stolz, den von Göttern oder der Natur gesetzten Grenzen zu trotzen. Ikarus wird nicht dafür verurteilt, fliegen zu wollen: Er wird dafür verurteilt, das Maß missachtet zu haben — die rechte Mitte, die die Griechen Sophrosyne nannten.
Doch der Mythos ist auch eine Huldigung. Ikarus war das erste Wesen, das frei durch den Himmel flog. Sein Sturz ist tragisch, aber sein Flug war real. Seit Jahrhunderten symbolisiert er den Mut des Strebens — Kunst, Entdeckung, die Eroberung der Luft — ebenso wie die Gefahren des Übermuts. Oft erinnern wir uns nur an den Sturz und vergessen die Freiheit des Fluges.
In Saint Seiya
Sonstiger RitterIm Saint-Seiya-Universum trägt die Figur namens Ikarus das Erbe des Mythos: ein Krieger, dessen Stärke und Ehrgeiz manchmal die Klugheit übersteigen, belebt von einer Intensität, die an den Flug des Sohnes des Daidalos erinnert. Die von Kurumada gewählten Namen sind nie zufällig — Ikarus verkörpert den brennenden Willen, weiter zu gehen, als das Schicksal vorgesehen hat.
Das Thema des Fluges als Freiheit und als Gefahr liegt im Herzen vieler Kämpfe in Saint Seiya: Die mächtigsten Cosmos verbrennen sich oft am schnellsten — wie Wachsflügel, die der Sonne zu nahe kommen. Die Spannung zwischen absolutem Streben und sterblichen Grenzen ist der eigentliche Motor der Serie.
Eigenschaften



Die Lehre des Mythos