Die Waage
Sternzeichen des ZodiakOlympGriechische Mythologie · Göttliche Gerechtigkeit · Kosmisches Gleichgewicht
Themis, Dike & Astraia — Die Göttinnen der Gerechtigkeit
Das Sternbild Waage ist einzigartig im Tierkreis: Es ist das einzige, das einen leblosen Gegenstand statt eines Lebewesens darstellt. Und dieser Gegenstand — die Zweischalenwaage — ist das Instrument der göttlichen Gerechtigkeit, das Attribut mehrerer griechischer Göttinnen.
Themis ist die Titanin des göttlichen Gesetzes und der kosmischen Ordnung. Als zweite Gattin des Zeus leitet sie die Naturgesetze und die Götterversammlungen. Sie ist es, die die Götter auf den Olymp einberuft, Hüterin des heiligen Dekors. Ihre Tochter Dike — die personifizierte Gerechtigkeit — hält die Waage in einer Hand und das Schwert in der anderen und wägt die Taten der Sterblichen mit absoluter Unparteilichkeit.
Astraia, Tochter des Zeus und der Eos, ist die Göttin der Unschuld und Reinheit. Während des Goldenen Zeitalters lebte sie unter den Menschen. Doch als die Menschheit in Gewalt und Laster versank — Silbernes Zeitalter, Bronzenes Zeitalter — verließen die Götter die Erde einer nach dem anderen. Astraia war die Letzte, die aufbrach, und weigerte sich, die Menschen aufzugeben. Sie flog zu den Sternen hinauf und wurde zum benachbarten Sternbild Jungfrau — die Waage der Gerechtigkeit in ihren Händen haltend, die zum Sternbild Waage wurde.
Die Seelenwaage & das Kosmische Gleichgewicht
In der griechischen Tradition benutzt Zeus selbst in großen Schlachten eine Waage, um das Schicksal der Helden zu wiegen. Im Trojanischen Krieg wägt er die Schicksale von Achilles und Hektor: Hektors Schale senkt sich in Richtung Unterwelt — das Signal seines bevorstehenden Todes. Diese Praxis — die Kērostasie oder Seelenwaage — ist einer der feierlichsten göttlichen Akte der Mythologie.
Die Waage ist auch eng mit der Herbst-Tagundnachtgleiche verbunden: Wenn die Sonne in die Waage eintritt, sind Tag und Nacht streng gleich — die Natur selbst wägt ihre Stunden von Licht und Dunkelheit auf einer vollkommenen Waage. Dies ist der Moment des absoluten Gleichgewichts, der Wendepunkt des Jahres zwischen Wachstum und Rückgang.
Die Hauptsterne sind Zubenelgenubi ('die südliche Klaue') und Zubeneschamali ('die nördliche Klaue'), zwei arabische Namen, die die alte Geschichte offenbaren: Die Waage galt einst als die Klauen des benachbarten Skorpions, dem Tier entrissen, um ein eigenes, der Gerechtigkeit gewidmetes Zeichen zu schaffen.
Die Waage durch die Kulturen
Die Symbolik der Waage übersteigt kulturelle Grenzen. Im alten Ägypten ist es die Wägung des Herzens vor Osiris, die das Schicksal der Toten bestimmt: Das Herz des Verstorbenen wird auf eine Schale gelegt, die Feder der Maat — Symbol der absoluten Wahrheit — auf die andere. Ein Herz, das schwerer ist als die Feder, wird von Ammit, der Chimäre, verschlungen und die Seele ausgelöscht. Ein Herz, das so leicht ist wie eine Feder, öffnet die Tore von Aaru — das Schilffeldreich, das ägyptische Paradies.
Im alten Rom trägt die Göttin Iustitia Waage und Schwert — ein Bild, das die westliche Rechtstradition bis heute in Gerichtssälen weltweit perpetuiert und daran erinnert, dass unser gesamtes Rechtssystem in direkter Linie von diesem himmlischen Mythos abstammt.
In Saint Seiya
Goldritter der WaageDie Waage-Rüstung ist die einzige Zodiak-Rüstung ohne bestimmten Träger am Gürtel des Heiligtums. Kurumada machte sie zu einer Rüstung, die allen Bronzerittern zur Verfügung steht — eine neutrale Rüstung der Gerechtigkeit, die keinem Clan gehört, sondern allen, die für eine gerechte Sache kämpfen. Sie ist der perfekte Widerschein der Symbolik von Themis und Dike: Gerechtigkeit ergreift keine Partei, sie gleicht aus.
Dohko von der Waage ist dennoch einer der bedeutungsreichsten Charaktere des Mangas. Meister von Shiryu wacht er seit zweihundertdreißig Jahren an den Ufern des heiligen Flusses von Rozan — wie Astraia, die sich weigerte, die Menschen trotz ihres Niedergangs zu verlassen. Seine außergewöhnliche Langlebigkeit ist der Preis seiner Hütermission.
Seine Technik Rozan Shōryūha — der aufsteigende Drache — und seine 108 Drachengeheimnisse machen ihn zu einem Meister der Besonnenheit und der gemessenen Kraft. Wie die göttliche Waage, die sich nur neigt, wenn das Schicksal entschieden ist, handelt Dohko nur in dem genauen Moment, in dem das kosmische Gleichgewicht es erfordert.
Attribute



Figuren der Gerechtigkeit